Finale (MakeMusic)

Bei "Finale" (MakeMusic) gibt es schon seit Jahren auf den verschiedenen Plattformen mit unterschiedlichen Versionen immer wieder erhebliche Probleme beim Export von Postscript-Formaten (PS-Listen, EPS-Grafiken), wobei diese Funktionen entweder gar nicht oder nur fehlerhaft gearbeitet haben. Gerade weil Finale lange Zeit einsamer Marktführer war und diese Profi-Funktionen geradezu exklusiv im Angebot hatte, ist es umso ärgerlicher, dass die Entwickler von zunächts Coda Music und nun MakeMusic bis heute diese Probleme nicht beseitigt haben. Da selbst das aktuelle Upgrade auf Finale 2011 diesbezüglich keinerlei Veränderung zeigt, liegt den Verdacht nahe, dass daran gar kein Interesse besteht. Offenbar werden diese Funktionen, deren Bedeutung selbst den Finale-Support-Mitarbeitern des Deutschen Vertriebspartners Klemm Music nicht bewusst zu sein scheinen, aus kommerziellen Gründen gar nicht mehr gepflegt.

Besonders bemerkenswert dabei ist, dass Finale 2007 die letzte Version ist, in der ein Export von PS- oder EPS-Formaten auf beiden Plattformen fehlerfrei funktioniert - und das. obwohl diese Fehler immer wieder von Anwendern reklamiert wurden. Ungeachtet dessen wurden seitdem über bisher 3 Jahre hinweg alljährlich kostenpflichtige Upgrades verkauft, in denen diese Fehler immer wieder (teilweise in neuer Form) aufgetreten sind.

MakeMusic nimmt auf diese Weise billigend in Kauf, sich von der ursprünglich wichtigen Zielgruppe der Profi-Anwender nachhaltig zu verabschieden.

Wie äußern sich die Bugs in der Praxis?

Alle bisherigen Tests deuten darauf hin, dass ein fehlerhafter EPS- oder PS-Export dann auftritt, wenn im Dokument Fonts mit Postscript-Konturen verwendet werden. Das sind typischerweise Type1-Fonts (PS-Fonts) und Open-Type-Fonts (OTF). Fonts mit True-Type-Konturen wiederum werden scheinbar fehlerfrei eingebettet. Das sind alle von Finale mitgelieferten Fonts, sowie die meisten bei einer Windows-Installation automatisch installierten TTFs

Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Erscheinungen betreffen nach bisherigen Erkenntnissen "nur" die Windows-Versionen von Finale 2010 und 2011. Für sämtliche(!) Windows-Versionen ab Finale 2007 gilt darüber hinaus, dass dass auch Open-Type-Fonts mit Postscript-Konturen generell nicht korrekt beim Postscipt-Export eingebettet werden. Folgende Beispiele können verdeutlichen, wie sich das in der Praxis äußert:

1. Der Font "Stencil Standard" verwendet TTF-Konturen und kann von allen Windows-Finale-Versionen korrekt in Postscript-Formate (PS-Liste oder EPS) eingebettet werden. "Stencil Std Fett" dagegen ist ein OTF mit Postscript-Konturen und hier scheitern sämtliche  Versionen ab Finale (auch Finale 2007) für Windows am Einbetten dieses Fonts in Postscript-Formate.

2. Ein Type-1-Font (PS-Font) wie z. B. "Stone Informal" wird von Finale 2007 und 2009 (Win) korrekt in exportierte Postscript-Formate eingebettet, während die Versionen Finale 2010 und 2011 daran scheitern. Letztere Versionen können lediglich TT-Fonts - also die von Finale mitgelieferten und gängige Systemfonts wie Arial, Times New Roman etc. - scheinbar fehlerfrei einbetten.

3. Finale 2008 verhält sich in Bezug auf die Font-Einbettung ähnlich wie Finale 2007. Allerdings weist Finale 2008 (Windows- und Mac-Version) einen anderen schweren Fehler auf: Linien (wie z. B. Taktstriche, Notenhälse etc.) werden in Postscript-Export-Formaten (PS-Listen, EPS) mit unterschiedlichen und fehlerhaften Linien-Dicken dargestellt. Damit ist Finale 2008 auf beiden Plattformen für derartige Anwendungen vollkommen unbrauchbar.

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Finale-Dokumente, die in neueren Versionen erstellt wurden, in älteren Versionen wie z. B. Finale 2007 nicht geladen werden können. Damit sind die darin investierten Arbeiten für einen korrekten Export von Postscript-Formaten praktisch verloren - ein erheblicher Schaden!

Auch die Möglichkeit des Exports im XML-Format kann hier wenig helfen, da hierbei wesentliche Format-Informationen verloren gehen.

Mögliche Workarounds

1. Grundsätzlich konnten wir feststellen, dass diese Fehler nur dann auftreten, wenn man für die Erzeugung von Postscript-Formaten Finale-interne Funktionen verwendet. Eine kostspielige und umständliche Möglichkeit, dennoch brauchbare Postscript-Dateien aus den Finale-Dokumenten dieser Versionen zu erzeugen, wäre die Möglichkeit, diese über den mit Adobe Acrobat gelieferten Distiller-Druckertreiber in PDF-Dateien zu "drucken".

2. Sofern man die problematischen Fonts auch unter OS-X zur Verfügung hat, könnte man die Dateien auf einer Mac-Version der jeweiligen Finale-Version weiter verarbeiten. Abgesehen von Finale 2008 treten die oben beschriebenen Fehler dort augenscheinlich nicht auf.

Fazit: Finale-Anwendern unter Windows, die in einer Arbeitsteilung an Projekten arbeiten, die für den professionellen Druck vorgesehen sind, sollten sich dessen bewusst sein, dass durch die Fehler in allen Versionen ab Finale 2010 die damit erstellten Dateien nur sehr eingeschränkt für eine Weiterverarbeitung geeignet sind. Ein Umstieg auf OS-X oder eine andere Notensatzsoftware wäre also eine Überlegung wert.


© 2010 by Wolfgang Fiedler