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BOOGIE-PATTERNS FÜR DIE LINKE HAND (2) – Heft 11/‘96

Die Grenzen zwischen den Pattern mit zwei- und dreistimmigen Voicings und denen mit monophonen Figuren sind fließend. Während die Grooves im vorigen Beitrag überwiegend der ersten Kategorie zuzuordnen sind, vollzieht sich hier der Übergang zu den anderen Spielweisen.

... und als MIDI-File

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Notenbeispiel 1 stellt dabei zunächst noch eine weitere Variante der Pattern 7 und 8 aus dem vorigen Heft dar. Hier wäre zur genaueren Beschreibung der Spielweise eigentlich auch eine polyphone Darstellung notwendig gewesen, die aber zu einem recht unübersichtlichen Notenbild geführt hätte. Deshalb ist mit einer Art Haltebogen angedeutet, welche vom 5. Finger gespielten Noten über ihre notierte Länge hinaus liegenbleiben.

Auch Notenbeispiel 2 gehört noch zu dieser Gruppe von Pattern, zeigt aber eine Figur, die in rhythmischer Hinsicht eher eine Ausnahme bildet. Sie gehört mindestens deshalb in die Sammlung, weil sie, mit der entsprechenden Intensität gespielt, einen ganz eigenen Reiz besitzt. Dieser besteht in der rhythmischen Dichte durch die Triolen, die aber gleichzeitig auch die Schwierigkeit dabei ausmachen. Hier sei an die Vorübungen im Heft 09/‘96 (BUSY FINGERS 2) erinnert, mit denen die Kombination von Triolen in der rechten Hand mit dem Groove der linken Hand vorbereitet wird. Bei dem Pattern im Notenbeispiel 2 sollte man nach einem ähnlichen Muster verfahren, indem zum Zwecke der Gewöhnung an die motorischen Abhängigkeiten in der rechten Hand zunächst einfache und rhythmisch gleichförmig swingende Licks (ohne ausgespielte Triolen!) erklingen. Dabei ist natürlich das Tempo so weit herunterzuschrauben, dass eine genaue Kontrolle über das rhythmische Zusammenwirken beider Hände möglich ist.

Verglichen damit sind die weiteren Patterns weit weniger schwer und eignen sich, sofern sie erst einmal beherrscht werden, besonders für schnellere Tempi. Spieltechnisch gesehen liegt der Grund dafür auf der Hand: Da die Figuren aus einstimmigen Linien bestehen, sind in erster Linie die Finger in Aktion, und größere vertikale Bewegungen des Arms oder Handgelenks entfallen.

Die Notenbeispiele 3 bis 5 stellen ebenfalls eine Gruppe von Varianten einer bestimmten Spielweise dar, die beliebig erweitert werden könnte. Dabei entspricht das Pattern 5 im Prinzip der ursprünglichen Begleitung der Improvisation in BUSY FINGERS 2 (Heft 9/96), aus der auch hier wieder zu allen Beispielen in den Audio- Tracks und MIDI-Files auf der KEYBOARDS-CD die dort (im Notenbeispiel 4) abgebildeten ersten 12 Takte der rechten Hand hinzugefügt wurden.

Notenbeispiel 6 bildet schließlich den Übergang zu noch einer anderen Spielweise, die dann konsequent in den Notenbeispielen 7 und 8 umgesetzt wird. Dieser liegt im Prinzip eine Art Walking Bass zugrunde, der rhythmisch lediglich im Boogie-Sinne umgesetzt wird. Im Notenbeispiel 6 bewegen sich die Töne für die Dauer jedes Akkordes noch in den Grenzen einer Oktave, wodurch die Hand in dieser Zeit in ihrer Position bleiben kann. In den Notenbeispielen 7 und 8 muss die Hand ständig der Basslinie folgen, wodurch diese Patterns dann wieder etwas schwerer sind. Auch hier ließen sich viele weitere Varianten finden, wobei theoretisch jede Walking-Bass-Linie auf diese Weise umgesetzt werden könnte, die auf der Basis von Vierteln denkbar ist. Auch erweiterte Blues-Schemata des Jazz-Blues kommen dafür in Frage.

Abgesehen von der Möglichkeit, jeden Groove im Detail vielfältig zu variieren, habe ich mit den insgesamt 16 Patterns aus diesem und dem vorigen Beitrag alle prinzipiellen Varianten dargestellt, die mir bisher geläufig sind. Ich bin sicher, dass es noch eine ganze Reihe davon abweichender Boogie-Grooves gibt, die mir entweder noch nicht begegnet sind, oder die ich einfach vergessen habe. Deshalb möchte ich alle Leser mit Boogie-Erfahrungen recht herzlich dazu einladen, zu einer Vervollständigung dieser kleinen Sammlung beizutragen. Spätestens sobald sich 8 neue Patterns angesammelt haben sollten, werden ich diese zu einem Beitrag zusammenfassen, selbstverständlich nicht ohne namentliche Bekanntgabe der Einsender. Es wäre doch sicher interessant, wenn es gelänge, auf diese Weise im Laufe der Zeit eine nahezu lückenlose Sammlung von Boogie-Grooves zusammenzustellen.

 

 

 

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